Edle Schnapsprobe bei Rudolphis Edelbränden

Wenn man überlegt, dass ich vor meiner Zeit hier im Badener Land gar keinen Schnaps getrunken habe – trinken konnte, so ist es schon ein Ding, dass ich jetzt sogar an einer Schnapsprobe teilgenommen habe. Aber es war ja auch nicht irgendeine Schnapsprobe, sondern eine bei Rudolphis aus Sinzheim. Doris und Gerold Rudolphi machen ganz besondere, qualitativ hochwertige Schnäpse mit viel Freude und Leidenschaft. Das schmeckt man, kann ich Euch sagen, wie ich hier auf neue ess klasse auch bereits berichtet habe.

Am Samstag wurden wir als die XXL-Gruppe erstmal herzlich begrüßt. XXL weil wir 23 Teilnehmer waren – und es wären sogar noch mehr geworden, wenn die Plätze nicht limitiert gewesen wären. Wir starteten in der Brennküche, und Gerold Rudolphi erklärte uns, auf was es beim Brennen ankommt. Beispielsweise vom Vorlauf, der hochprozentig und nicht trinkfähig ist. Der Vorlauf wird gesammelt und der Zoll nimmt ihn beispielsweise für pharmazeutische Zwecke mit. Der Mittellauf, das ist der eigentlich hochwertige Brand zwischen 45 und 70% Alkoholgehalt, der später passend verdünnt und abgefüllt wird. Und der Nachlauf, der dann schon wieder nicht mehr genießbar ist, aber auch aufgehoben und wiederverwandt wird. Neben der Genauigkeit (da legt der Zoll großen Wert drauf) ist auch die Sauberkeit in der Brennküche und auch bei der Gärung bei Rudolphis oberstes Gebot. Der Brennkessel wird nach jedem Brand von innen gesäubert. Bereits hier bekamen wir einen kleinen Snack und den ersten Schnaps gereicht. Zum Einstieg einen einfachen Obstler. Bereits ein einfacher Obstler ist bei den Rudolphis ein echter Genuss.

Dann waren wir im Lager unterwegs. Dort hängen auch die ganzen Auszeichnungen von den Rudolphis für ihre Schnäpse. Besonders stolz ist Gerold Rudolphi über seine Auszeichnung für einen Himbeerbrand. Dies ist ein ganz besonderer Schnaps. Normalerweise kennt man nur Himbeergeist, d.h. mit einem bestehenden Alkohol und Himbeeren wird der Geist angesetzt (leider auch oft nur mit Himbeer-Aromen – bei Rudolphis selbstverständlich nicht – hier kommt alles aus der Frucht selbst, keine Chemie, keine künstlich zugefügten Aromen!!). Gerold Rudolphis Traum war es aber, mit Himbeeren eine richtige Maische anzusetzen und daraus den Alkohol zu gewinnen. Eine Seltenheit, denn man benötigt enorm viele Früchte für den Ansatz. Übrigens als Brennerei darf man nur 20% Obst zukaufen, der Rest muss aus dem eigenen Anbau stammen. Im Lager gab es dann den zweiten Schnaps, einen Bühler Zwetschgenbrand – hmmm lecker – und Schmalzbrote mit Apfelscheiben.

Nun kamen wir in den Präsentationsraum. Dort gab es dann etwas Gesundes: Tobinambur oder Blutwurz. Tobinamburbrand soll beispielsweise blutzuckersenkend wirken. Ich mag beides auch nach der Verkostung nicht – brrrrr, aber was man nicht alles für die Gesundheit tut. Zu Herrn Rudolphis Ehre muss ich aber sagen, dass sein Tobi und Blutwurz sehr gut gemacht sind! Aber gar nicht mein Fall sind.

Nun ging es in den Gastraum. Dort stand bereits ein Vesper für uns bereit: Schnitzelchen, kleine Frikadellen, frische Wurst, Käse und leckeres Brot. Wichtig bei einer Schnapsprobe: eine Grundlage schaffen und zwischendurch Wasser trinken! Denn wir hatten noch einiges vor uns.

Es folgten zwei Traubenbrände – kein Trester (wie Grappa), sondern aus den ganzen Trauben gemacht: 1. aus Riesling-Trauben und 2. aus Burgunder-Trauben im Fass gereift. Insbesondere den Burgunder-Traubenbrand fand ich sehr gut. Nun ging es weiter mit einem Sauerkirschenbrand (nicht zu verwechseln mit Kirschwasser!), dann noch ein Mirabellenbrand, dann ein Zibartenbrand (das ist typisch für diese Gegend = wilde Pflaumen, sehr klein und zu nichts anderem als zum Schnapsbrennen geeignet :-)), danach mein Liebling ein Williamsbrand de luxe (Rudolphis entkernen die Birnen hierfür), super mild und köstlich – ja, danach ein Himbeergeist – wunderbar aromatisch – und dann bekam jeder noch einen Schnaps seiner Wahl. Da die Rudolphis auch hervorragende Liköre machen, habe ich einen Pfirsichlikör gewählt. Der war der perfekte süße Abschluss. Eigentlich hätte ich auch das Nussschnäpsle oder den Haferpflaumenbrand oder…… trinken können……

Um es gleich klar zustellen: Am nächsten Tag waren wir alle fit und ohne Kopfschmerzen!

Vielen Dank an dieser Stelle der Familie Rudolphi für einen wunderbaren genussvollen Abend. Beeindruckend, was diese beiden als Rentner und aus purer Leidenschaft und mit Herz und Sachverstand da auf die Beine gestellt haben. Respekt.

Melanie Licht
melanie@blandas.de
2 Comments
  • Bruderherz
    Posted at 19:04h, 25 Oktober Antworten

    War ein super Abend. So ne Schnapsprobe bei Rudolphis kann man echt nur weiterempfehlen.

  • Pingback:Alle Genussmesse-Besucher hergehört: Das hat die fine 2010 zu bieten
    Posted at 16:00h, 25 März Antworten

    […] oder andere sogenannte “Weindrücker”, die quer Beet verkaufen). Meine lieben Rudolphis sind auch wieder mit dabei. Feinkosten, Schokolade und ein ganzer Raum voll mit italienischen […]

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