Kulinarische Sylt-Reise

Man sagt, Sylt liebt man oder hasst man. Ich liebe Sylt. Es ist ein wenig wie Legoland für Erwachsene. So gönnten wir uns eine kleine Auszeit auf Sylt. Natürlich mit unseren Hunden, denn die sind auf Sylt bestens aufgehoben. Kulinarisch war ich natürlich vorbereitet, denn ich hatte schon im Vorfeld einige kulinarische Highlights für uns reserviert, die ich gerne hier als Tipps weitergeben möchte.

Wir begannen unsere kulinarische Sylt-Reise gleich kurz nach unserer Ankunft auf der Insel im Samoa Seepferdchen. Da wir in Rantum wohnten war das gleich um die Ecke in den Dünen. Und ich hatte ruckzuck meine so ersehnte Scholle auf dem Teller – wunderbar. Der Service war extrem nett und auch unsere Hunde waren kein Problem und durften im Restaurant unter dem Tisch liegen. Ein kurzer Spaziergang am Strand bei Sonnenuntergang machte den Abend perfekt.

Gut vorbereitet starteten wir in den nächsten Tag. In den Tag, auf den ich mich ein halbes Jahr gefreut hatte: Abendessen bei Johannes King im Söl’ring Hof, Rantum, Sylt. Und Johannes hat uns nicht enttäuscht! Das erste Highlight war unser Sitzplatz am ersten Tisch vor dem Pass, denn bei Johannes King ist die Küche offen und als Gast bekommt man alles mit, was beim Anrichten der Speisen passiert. Da es total ruhig und gelassen zugeht, ist das sehr entspannend den Köchen und natürlich Johannes King bei der Arbeit zuzusehen. Wir gönnten uns das “Große Degustrations-Menü”. Nach dem Gruß aus der Küche wurden uns acht Gänge serviert: Marinierte Rantumer Meeräsche mit Auster, Gurke und Fenchel; sautierter Langostino auf Kürbiskompott mit Sauerrahmravioli und einen Krustentierfond; Salat von der Sommerbete mit Wachtel-Solei und Meerrettich; gebratener Kabeljau mit Grünem aus dem Bauerngarten, Apfel und Wirsingpüree; Kaninchenragout mit schwarzen Champignons (hat Johannes schon bei Lanz kocht gezeigt) und Ritterlingen; Rehbockrücken mit Maiscreme, Malz und Kaffee; geeiste Gartenkräuter mit Haselnusshalbgeforenem mit Minzgranité und Sanddornsorbet und last but not least Ziegenjoghurtsorbet mit Apfel-Sauerampfersaft und Blumenkohl. Es war alles super super super gut. Am besten fand ich jedoch den sautierten Langostino mit den Sauerrahmravioli und dem gigantischen Krustentiersud und das zweite Dessert mit dem Blumenkohl! Weniger hat mir persönlich der Rehbockrücken geschmeckt. Bin nicht so ein Mais- und Malz-Fan. Diesmal wählten wir nicht die Weinbegleitung, was das “Budget” etwas übersichtlicher macht… Vielen Dank an Johannes King und sein Team für einen tollen Abend.

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Den nächsten Tag ließen wir es ganz entspannt angehen, denn wir fuhren nach List und kauften kräftig bei Gosch ein. Am Abend machten wir uns leckeren Matjes nach Hausfrauenart vom Gosch mit Pellkartoffeln. Gosch ist eine echte Sylter Institution. Die Hölle ist dort los, aber ich finde den Matjes traumhaft lecker! Unbedingt gleich ein Matjes-Brötchen auf die Hand probieren.

Mit Florian’s Esszimmer folgte ein weiterer kulinarischer Höhepunkt, wenn auch auf einem anderen Level als bei Johannes King mit seinen zwei Michelin Sternen. Florian’s Esszimmer ist ein kleines, super nettes Restaurant in Keitum (Ortseingang am Kreisel). Bereits bei unserem ersten Besuch auf Sylt wollte ich schon dort essen. Wir bekamen aber damals kurzfristig keinen Tisch mehr. Da das Restaurant wirklich und ein Glück nicht sehr groß ist, unbedingt vorher reservieren! Für mich gab es im Hauptgang Spanferkel mit Pilzen, Schupfnudeln und Wirsing. Ein Gedicht! Die Schupfnudeln waren so sensationell, dass ich eine ganze Wagenladung davon hätte essen können.

Am nächsten Tag hieß es: Krabben pulen. Wir holten uns ein ganzes Kilo von diesen leckeren kleinen Teilchen. Als zweiten Gang gab es mal wieder Scholle, meine bessere Hälfte hatte ja noch keine gegessen. Günstiges und super leckeres Essen ist auch auf Sylt möglich, wenn man tolle Produkte kauft und den Herd selbst anwirft.

Einen kleinen Reinfall muss man wohl in jedem Urlaub haben. Als weiteres “normales” Restaurant hatte ich noch das “Ivo & Co.” in Westerland ausgewählt. Weil ich so viel Gutes gehört hatte. Selbst richtige Sylter soll man dort antreffen! Um es kurz zu machen: Wir fanden es nicht so toll. Viel zu teuer für durchschnittliche Leistung. Ivo soll für seine Steaks mit Pommes und selbstgemachten Saucen bekannt sein. Naja, wir haben sie gegessen, aber es war nicht besonders. Die Vorspeise, das Tuna-Tatar, war auch nicht der Knaller und kam auf ungewürzten Gurkenscheiben daher. Der Service war sehr nett, obwohl man uns zu Beginn erst einmal vergessen hat. Insgesamt hat es mich gewundert, warum das Ivo & Co. so ein toller kulinarischer Tipp sein soll. Vielleicht hatten sie nur einen schlechten Tag. Genial war aber der Surf-Weltcup, der an diesem Wochenende in Westerland ausgetragen wurde!

Was kann diese kulinarischen Leckereien noch toppen: Das Spices im Arosa, List. Genau. Im Arosa gibt es gleich mehrere Restaurants. Auch das Sterne-Restaurant “La Mer” geführt von Sebastian Zier. Dort waren wir aber nicht, denn ein Sterneschuppen reicht pro Urlaub ;-). Wir waren an unserem letzten Abend bei Sarah Henke im Spices, ein asiatisches Restaurant mit ganz besonderem Flair und innovativer Küche. Sarah Henke ist eine Deutsch-Koreanerin, die in der ebenfalls offenen Küche vom Gast schon mal übersehen werden kann, denn sie ist sehr zierlich und erscheint sehr jung. Übrigens scharfes Essen muss man da mögen, denn wo Spices drauf steht, ist spicy drinnen. Alles wird auf wunderschönem dunklen Porzellan serviert – eine Augenweide mit viel Genuss. Beginnen sollte man unbedingt mit einer Sushi-Auswahl. Göttlich! Danach hatte ich das Menü “Wasser” mit Jakobsmuschel mit Quitte und einer sensationellen Erdnusssauce, Pulpo geräuchert, Kalb mit Püree. Das Menü “Erde” bestand beispielsweise aus einem tollen Rindertatar asiatisch gewürzt und Ente. Probiert haben wir auch die tom kah gai Suppe, die ebenfalls genial war. Gewöhnungsbedürftig war der Pulpo im Rauch (unbedingt wenig Rauchsauce dazugeben und gleich mit dem Birnenmus gemeinsam essen) und die Ente, die in zwei Varianten gereicht wurde, und doch sehr “übersichtlich” daher kam. Das Spices ist auf alle Fälle ein tolles Restaurant für alle, die die besondere asiatische Küche lieben – und auch nicht ganz preisgünstig, wie vieles auf Sylt. Der Service hat allerdings zu viele Rhetorikkurse gemacht und wirkt schon etwas über-freundlich und unecht.

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Dann ging es wieder in die Heimat gen Baden, wo man übrigens auch sehr lecker speisen kann… Dazu in Kürze mehr.

Melanie Licht
melanie@blandas.de
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